Margit Glasow

Die Neugier bleibt ...

Wären nicht die Knochenbrüche dazwischen gekommen (Osteogenesis imperfecta Glasknochen), hätte mein Leben möglicherweise einen anderen Verlauf genommen. Vielleicht wäre ich lieber auf Bäume geklettert und auf dem Eis gelaufen, statt nächtelang zu lesen und so auf Entdeckungsreise zu gehen in eine Welt, die mir mit Gipsbein oft verschlossen blieb.


Ich las alles, was mir in die Finger kam. Und da so viele Dinge meine Neugier weckten, war ich nach dem Abitur ziemlich ratlos, was ich nun tun sollte. Studium war klar, nur welches? Ich entschied mich letztendlich für Lateinamerikawissenschaften an der Uni Rostock. Ausschlaggebender Grund dafür war wohl der Wunsch, einmal diese fernen Länder bereisen zu können - eine vage Hoffnung angesichts der Reisebeschränkungen in der DDR und meiner eigenen körperlichen Verfassung.

Nach Abschluss des Studiums folgte natürlich schnell die Ernüchterung. Ich arbeitete zunächst als freiberufliche Übersetzerin für Spanisch von meinem Küchentisch in Rostock aus. Da ich inzwischen Mutter von zwei Kindern geworden war, konnte ich so zumindest Beruf und Familie gut miteinander verbinden. Doch die Arbeit allein vor dem PC war mir auf Dauer zu einsam. Es folgten verschiedene Jobs, vor allem in der Tourismusbranche.

Schließlich begann ich, meiner alten Sehnsucht nach dem geschriebenen Wort folgend, selbst mit dem Schreiben. Geschichten zu erzählen, die Aufmerksamkeit auf jene zu lenken, die am Rande stehen, Mut zu machen. Das ist es, was mich treibt. Das stillt meine Neugier nach immer neuen Lebensgeschichten eine Neugier, die bleibt.